Ihr seid verlobt und überglücklich geht es nun an die Hochzeitsplanung. Die klassischen Fragen rund um die Hochzeit sind meist schnell geklärt, doch bei einer bestimmten Frage wird oft um den heißen Brei geredet. Ehevertrag – ja oder nein? Für viele ein unangenehmes Thema und ein Zeichen für Misstrauen. Doch für wen ist ein Ehevertrag überhaupt sinnvoll? Wir klären euch auf und zeigen wichtige Punkte, die man bei einem Ehevertrag beachten muss.

Wann macht ein Ehevertrag Sinn?

Besonders sinnvoll ist ein Ehevertrag für Selbstständige und Unternehmer. In die Berechnung des Zugewinnausgleichs fließen auch Aktien oder Immobilien mit in die Ehe. So etwas kann einen Unternehmer, der bei einer Scheidung die Hälfte an den Partner zahlen muss, ordentlich in Schwierigkeiten bringen. Bei Partnern mit unterschiedlichen Nationalitäten ist es auch sinnvoll, um eventuell nicht übereinstimmende nationale Rechte in Einklang zu bringen.

Grundsätzlich hat der Gesetzgeber der Ehe das Modell der typischen Rollenverteilung zu Grunde gelegt. Der eine verdient das Geld und der andere kümmert sich um den Haushalt. Doch sind wir mal ehrlich, diese klassische Rollenverteilung gibt es schon lange nicht mehr. 😉 Trotzdem gilt, wenn von dieser Konstellation in der Ehe abgewichen wird oder große Vermögensunterschiede zwischen den Ehepartnern bestehen, sollte deshalb über die Schließung eines Ehevertrags mit Hilfe eines Anwalts beraten werden.

Was regelt ein Ehevertrag?

Eine Eheschließung begründet zahlreiche Rechte und Pflichten zwischen den Ehegatten und gegenüber Dritten. Vor allem den Güterstand. Durch das Prinzip der Vertragsfreiheit ist es möglich, das Paare ihre Verträge so gestalten können wie sie möchten. Gerade bei den Punkten Vermögensaufteilung, Altersversorgung und Unterhaltszahlungen.

Was bedeutet Zugewinnausgleich? Wenn in einem Ehevertrag nichts anderes festgelegt wurde, lebt das Paar im Güterstand der Zugewinngemeinschaft (§ 1363 Abs. 1 BGB). Das bedeutet, dass das Vermögen der beiden, egal ob es in die Ehe mitgebracht oder nach der Eheschließung erworben wurde, nicht gemeinschaftliches Vermögen der Ehegatten wird.

Wann ist der Beste Zeitpunkt einen Ehevertrag zu schließen?

Keine Sorge, ihr müsst nicht vor dem Standesamt in Panik verfallen, man hat genug Zeit. Ein Ehevertrag kann zu jeder Zeit abgeschlossen werden, sogar nach der standesamtlichen Trauung ist dies möglich. Wichtig ist, dass ihr euch von niemanden unter Druck setzen lasst und nur unterschreibt, wenn ihr es auch wirklich wollt. Selbstverständlich lässt sich ein geschlossener Ehevertrag nachträglich abändern und auch an die entsprechenden Lebensverhältnisse anpassen.

Kann ein Ehevertrag gekündigt werden?

Hier gilt wie bei anderen Verträgen auch, dass die Verträge von den Parteien einzuhalten sind. Wenn ein Partner den Vertrag kündigen möchte, egal aus welchem wichtigen Grund geht das leider nicht. Unter besonderen Voraussetzungen kann allerdings der Ehevertrag wegen Irrtums, Drohung oder Täuschung angefochten werden (§§ 119 ff. BGB).

Kosten des Ehevertrags

Die Kosten des Ehevertrags sind von Fall zu Fall unterschiedlich, da sie von der Vermögenslage der Paare und zum anderen vom Umfang, der im Vertrag zu regelnden Gegenständen abhängig ist. Die Kosten werden aus der Beratung und Erarbeitung eines Vertrags berechnet. Die Gesetzgeber haben beschlossen, dass ein Ehevertrag zu seiner Wirksamkeit der notariellen Beurkundung bedarf. Natürlich fallen dadurch auch Notarkosten an. Die Höhe dieser Kosten ist im Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) festgelegt.

Das war nur ein kleiner Einblick in die Grundgedanken des Ehevertrages. Um genaueres zu erfahren, solltet ihr euch unbedingt von einem Anwalt beraten lassen.

Autorin: Madlen Cantos-Bravo

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