Wir haben Melanie bei dem Styled Shoot „Industrial Chic meets 1001 Nacht“ im Saarland kennengelernt. Die Papeterie harmonierte perfekt zu diesem Thema und ihre persönliche Note konnten wir von Anfang an erkennen. Auch bei dem Schmuck und der Dekoration hat Melanie mitgewirkt. Sie besitzt in vielen verschiedenen Facetten ein Talent und das fasziniert nicht nur uns.

Wie bist du dazu gekommen, Papeterie, Dekoration und Floristik für Hochzeiten zu erstellen?

Die Leidenschaft fürs Dekorieren und meine Kreativität im Bereich der Malerei oder Kalligrafie wurden mir zum Teil mit in die Wiege gelegt. Bereits meine Eltern waren in der Kreativbranche tätig. Verwandte im Iran waren Bildhauer oder freischaffende Künstler und bei uns wurde schon immer großen Wert auf Design, Kunst und die kleinen Details gelegt. In meinem Studium der Kulturwissenschaften hat sich die Kunstgeschichte schnell als mein Favorit herauskristallisiert und so habe ich schon früh angefangen verschiedenste Kunsttechniken auszuprobieren. Mein Faible für Interior Design konnte ich dann, abgesehen vom eigenen Zuhause, erstmals professionell im Café Baker Street in Saarbrücken ausleben, dessen Innenraumgestaltung ich gemeinsam mit meiner Schwester übernommen habe. Von dort aus ging es zur vorläufigen Einrichtung des barocken Jagdschloss Karlsbrunn, einer Hochzeitslocation mit rustikalem Vintage-Charme und angeschlossenem Schlossgarten. Von da an war mehr oder weniger unbewusst der erste Schritt ins Hochzeitsbusiness getan und eins führte zum anderen.

Wieso genau diese 3 Bereiche?

Ich lege sehr großen Wert auf ein stimmiges Gesamtkonzept. Angefangen habe ich zunächst mit der Dekoration. Bei der ersten Hochzeitsanfrage wurde mir aber schnell klar, dass das perfekte Hochzeitsdesign optimalerweise eine einzige Handschrift trägt und sich ein roter Faden angefangen von der Einladung, über die Tischdekoration inklusive Floristik, dem Brautstrauß und Brautschmuck, Platzkärtchen und Menükarten, bis hin zur Danksagungskarte beinhaltet. So war klar, dass ich mich niemals nur auf einen Bereich beschränken kann, mein Drang Neues zu probieren ist dafür zum einen zu groß 😉 zum anderen bin ich in der Hinsicht absolute Perfektionistin und möchte, dass jedes auch nur kleinste Detail ins Gesamtbild passt. Da macht es Sinn, dass alles aus einer Hand stammt.

Wann hast du damit angefangen? Mit welchem Bereich zuerst?

Professionell habe ich erst im Winter 2017 angefangen und bin mit der ersten Hochzeit gleich in die Vollen mit Dekoration, Papeterie, Floristik und Headpiece. Von da an ging glücklicherweise alles ganz fix und hat schnell die Runde gemacht. Der Fokus lag anfangs jedoch eher auf der Dekoration. Nach und nach haben sich aber vor allem die Flowercrowns aus getrockneten Blüten und Brautsträuße aus frischen Blumen gemixt mit getrockneten Blüten immer größerer Beliebtheit gezeigt. Der nächste Step war dann die Papeterie mit kalligrafischen und malerischen Elementen, da hier meine künstlerische Arbeit am meisten zum Tragen kommt.

Was fasziniert dich so an Hochzeiten?

Die Vielfalt, mit der man hier seiner Kreativität freien Lauf lassen kann! Für mich bieten Hochzeiten die perfekte Grundlage all meine künstlerischen Fähigkeiten und Kreativität einzusetzen. Hier kann ich meine Liebe zur Kunst, die Liebe des Brautpaares füreinander sowie für ihre Freunde und Familien ins Visuelle übersetzen und in jedes noch so kleine Detail stecken. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie viel Vertrauen die Brautpaare einem an ihrem wichtigsten Tag schenken und wie viel Dankbarkeit sie mir zeigen.

Wie hat sich die Papeterie in den letzten Jahren verändert?

Ich bin überglücklich, dass die Papeterie ein immer wichtigerer Bestandteil in der Hochzeitsgestaltung wird. Weg von standardisierten Karten mit Foto und schlechtem Druck, hin zu opulent verpackten Papieren mit kunstvollen Details, Siegeln und Illustrationen. Der Trend geht definitiv zu individueller Papeterie, in der das Design bereits auf das Paar und die gesamte Hochzeit abgestimmt ist. Angefangen von der Illustration, der Farbwahl, der Papiersorte, eleganten Bändern und Kartonagen, die sich später dann in der Tischdekoration wiederfinden. Schließlich ist die Einladung das allererste Detail, das die Gäste zu sehen bekommen, welches ihre Vorfreude auf die Hochzeit steigern soll. Heutzutage (so hoffe ich zumindest ;-)) hebt man aufwendig gestaltete Einladungen sorgsam als Erinnerung auf und lässt sie nicht gleich nach dem Öffnen wieder im Papierkorb verschwinden.

Welche Kartenmodelle sind bei Bräuten die 2019 Heiraten sehr gefragt?

Aktuell arbeite ich sehr viel mit Büttenpapier/Büttenkarton und Transparentpapier. Bei mir sind vor allem reduzierte Motive, wie abstrakte Aquarelle in dezenten Farbharmonien in Kombination mit hochpigmentierten Gold und Roségold-Effekten sehr gefragt. Auch Kalligrafierte Namen und Überschriften werden zu meiner Freude immer häufiger angefragt. Pocketfolds sind zudem weit vorne, jedoch eher bei kleineren Hochzeiten, da sie doch recht umfangreich und somit etwas kostenintensiver sind.

Welche Karte ist nach wie vor der absolute Klassiker?

Die schlichte cremefarbene Klappkarte mit Illustration auf dem Cover

Was für Trends erwarten uns im Jahr 2019?

Floristik:

Locker gebundene asymmetrische Sträuße mit exotischen Blüten, Zweigen und Gräsern. Mehr Mut zur Farbe. Zudem mehr moderne Gestecke und Läufer, immer weniger kleine Väschen mit einzelnen Blumen und pralle runde Sträuße.

Papeterie:

Klare Formen und Schriften gepaart mit kunstvoll geschwungener Kalligrafie und aufwendigen Papieren. Immer mehr einzelne, lose Blätter locker zusammengebunden, statt Klappkarten. Individuelle Designs, Embleme und Siegel, die sich später in der Gesamtdeko und Papeterie wiederfinden.

Welche Farben erwarten uns 2019?

Helle Nude- und Fliedertöne, erdige Braun- und Burgundtöne, kräftige Senf- und Koralltöne sowie Blaugrau-und Petroltöne

Bleibt der Vintage und Boho Trend im nächsten Jahr?

Ich hoffe nicht ;-). Ich freue mich immer über Abwechslung und neue Stile. Der klassische Vintagetrend mit Spitze & Co müsste tatsächlich mal durch sein. Boho wird auf realen Hochzeiten durchaus noch in Variationen zu sehen sein.

Was machst du von den 3 Themen am liebsten?

Aktuell sind Papeterie und Kalligrafie mein absoluter Lieblingspart.

Woher holst du deine Ideen?

Inspiration finde ich unbewusst überall. In der Natur, wenn ich durch die Stadt schlendere, aus Zeitschriften, Büchern und natürlich auf Instagram, Pinterest etc. Hier orientiere ich mich aber fast ausschließlich am Ausland und bin wenig auf deutschen Seiten unterwegs.

Was sind deine persönlichen Lieblingsblumen?

Seeeehr schwierig, da ich mich für fast jede Blume begeistern kann, wenn ich bedenke, welch Perfektion die Natur in jeder Einzelnen geschaffen hat. Persönliche Favoriten sind aber meist sehr fragile und zarte Blüten. Ein Klassiker bleibt die Annemone, ich mag aber auch Skabiosen und wenn es etwas exotischer sein soll die Serruria Florida. Ansonsten sehr kleinblütige und -blättrige Gräser/Zweige und dezente Wiesenblumen.

Was findet man alles in deinem Dekoverleih?

Einen Kupferrohr Traubogen/Backdrop, den ich, wenn gewünscht dekoriere.

Diverse Sitzpläne, Willkommensschilder und Tafeln, kalligrafierte Holz- und Glasschilder, Vasen in verschiedenen Farben und Größen, Windlichter, Laternen, Teelichter und Lichterketten, kalligrafierte Stuhlschilder, Tischnummern und Platzkartenhalter, eine Mini-Palettenbar und einen Servierwagen. Alles in limitierter Anzahl auf Anfrage. Ein Dekoverleih im eigentlichen Sinne bin ich allerdings nicht, sondern habe eher einen großen Fundus um die bei mir gebuchten Hochzeiten in verschiedenen Stilen dekorieren zu können. Je nach Auftragslage und Umfang verleihe ich aber einzelne große Elemente. Nur Vasen und Kerzenleuchter ohne hinzugebuchte Dekoration/Floristik z.B jedoch nicht.

Wie gehst du vor, wenn du für eine Hochzeit als Dekorateurin gebucht wirst?

Ich vereinbare einen unverbindlichen Termin zum Kennenlernen in meinem Atelier. Dort besprechen wir dann bei einer Tasse Tee gemütlich, was sich das Brautpaar wünscht. Vor Ort kann das Brautpaar sich schon mal grob einen Überblick verschaffen, was ich alles anbiete. Gemeinsam finden wir dann meist direkt den passenden Stil. Danach gibt es ein Moodboard mit individuellem Angebot der vorab besprochenen Elemente. Nach Bestätigung des Angebots bleibe ich mit dem Brautpaar in ständigem Kontakt und treffe mich vor dem großen Tag noch mal in Ruhe mit ihnen (meist nur mit der Braut :-D), um die letzten Details zu besprechen und gegebenenfalls Änderungen vorzunehmen. Am Morgen selbst dekoriere ich dann, wenn gebucht, selbst vor Ort die Location, oder das Brautpaar holt am Vortag der Hochzeit die gebuchten Elemente bei mir ab.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Autorin: Madlen Richter

 

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